Welche Sprachen gehören zu den romanischen Sprachen?

  1. August 2025

Cindy Blanco, Ph.D.

Welche Sprachen gehören zu den „romanischen Sprachen“?

Wir erklären die Herkunft und Entwicklung der romanischen Sprachen.

  1. Aug. 2025

Cindy Blanco, Ph.D. Emilie Zuniga, Ph.D.

Wenn du eine Sprache lernst, dann weißt du, was Liebe ist. Es ist die Begeisterung, einer neuen Verbform zu begegnen, es sind die Schmetterlinge im Bauch, wenn dir ein Witz in der Fremdsprache gelingt, es ist das Herzklopfen, jemanden morgens in der Straßenbahn in dieser Sprache sprechen zu hören – und es zu verstehen. Das ist amore.

Aber wenn Linguisten von „romanischen“ Sprachen sprechen, dann hat das nichts mit Romanen, Romanzen oder Liebe zu tun. Französisch, Spanisch, Portugiesisch und Italienisch – sie alle mögen wie die Sprache der Liebe klingen, doch was sie alle eint, ist weder Poesie noch Leidenschaft: Es ist das Lateinische (Artikel auf Englisch).

Am Anfang der romanischen Sprachen stand Latein

Latein gehört zur indoeuropäischen Sprachfamilie, einer riesigen Gruppe miteinander verwandter Sprachen (alle Artikel auf Englisch) mit Ursprung in Europa und Zentralasien. Die lateinische Sprache verbreitete sich mit dem Römischen Reich in ganz Europa, da die Römer bis ins heutige Spanien, Frankreich, auf den Balkan und in viele weitere Gebiete gelangten. In all diesen Regionen gab es bereits eine Bevölkerung mit einer eigenen Sprache und Kultur.

Nach Ankunft der Römer begann dann durch die von ihnen gesprochene Variante des Latein (oft Vulgärlatein genannt) ein Prozess von Vermischung, Domination und Zersetzung der vorhandenen lokalen Sprachen. Die verschiedenen Varianten des Latein, die sich in Europa verbreiteten, entwickelten sich mit der Zeit weiter. Und heute nennen wir sie „romanische Sprachen“!

Mehr als ein Dutzend romanische Sprachen werden heute noch gesprochen

Weil Sprachwandel unvermeidbar ist (Artikel auf Englisch), haben viele romanische Sprachen nicht bis heute überlebt. Dazu gehört das Dalmatische, das einst an der Adria gesprochen wurde; das Judäo-Portugiesische, das früher von sephardischen Juden in Portugal und über dessen Grenzen hinaus gesprochen wurde, das Navarresisch-Aragonesisch, eine wichtige mittelalterliche Sprache Nordspaniens; das Auregnais, das früher auf der Kanalinsel Alderney gesprochen wurde; das Gotisch-Romanische, eine hypothetische romanische Varietät, die auf der iberischen Halbinsel früh vom Gotischen beeinflusst wurde, und viele mehr.

Doch glücklicherweise haben viele andere romanische Sprachen überlebt. Spanisch, Italienisch, Portugiesisch und Französisch haben wir bereits erwähnt, aber hier sind noch weitere:

Kreolsprachen haben ihre eigene Geschichte

Die Geschichte der romanischen Sprachen beschränkt sich nicht auf Europa. Als sich diese Sprachen über die Welt verbreiteten – meist durch Kolonisierung, Sklaverei und Handel (Artikel auf Englisch) – kamen sie mit einer Vielzahl anderer Sprachen in Kontakt. Schließlich hatten die Menschen in diesen Gebieten bereits eigene Sprachen! Dadurch entstanden neue, lokal verwurzelte Sprachvarietäten. In vielen Regionen entwickelten sich Pidginsprachen (Artikel auf Englisch) und manchmal auch Kreolsprachen: voll ausgebildete Sprachen mit eigener Grammatik und eigenständiger Identität.

Pidgin- und Kreolsprachen entstehen durch die sprachliche Kreativität und Widerstandskraft ihrer Sprecher. Viele sind durch die geschichtliche Entwicklung mit romanischen Sprachen verbunden, doch mit der Zeit entfernen sie sich zunehmend von diesen und auch voneinander – sie sind weitaus mehr als bloße Ableger oder Dialekte. Hier sind einige Beispiele für Kreolsprachen, die sich unter anderem durch den Kontakt mit romanischen Sprachen entwickelt haben:

Diese Sprachen erinnern uns daran, dass der Kontakt verschiedener Sprachen untereinander nicht nur ältere Sprachen neu formt – er erschafft völlig neue. Dabei tragen Kreolsprachen nicht nur die Spuren der romanischen Sprachen in sich, sondern auch die Geschichten und Stimmen der Menschen, die sich diese Wörter zu eigen gemacht haben.

Die romanischen Sprachen enthalten noch Spuren der durch sie ersetzten Sprachen

Weil Sprachkontakt (Artikel auf Englisch) keine Einbahnstraße ist, finden wir noch heute in den romanischen Sprachen viele Wörter oder Grammatikregeln aus den keltischen, germanischen (beide Artikel auf Englisch), slawischen oder anderen Sprachen, auf die sie in Europa stießen. Das Rumänische ist beispielsweise stark von slawischen Sprachen beeinflusst. Es hat zwar viel mit seinen romanischen Verwandten gemeinsam, besonders mit dem Italienischen, doch weist das Rumänische auch zahlreiche Wörter aus slawischen Sprachen auf, zum Beispiel:

Wie wär’s mit einer romanischen Romanze?

Von militärischen Eroberungen bis zu Bergdörfern, von lateinischen Wurzeln bis zu slawischen Endungen – die romanischen Sprachen haben weite Wege zurückgelegt. Warum also nicht eine eigene kleine Romanze mit einer romanischen Sprache beginnen? 💘