14. September 2023

[Cindy Blanco, Ph.D.](https://blog.duolingo.com/author/cindy/)

# Was ist implizites Lernen und wie nutzt Duolingo dies in den Lektionen?

Warum ist „Learning by Doing“ so wichtig? Hier die Antwort der Wissenschaft!

Die Duolingo-Kurse sind unterhaltsam und [effektiv](https://blog.duolingo.com/de/wie-gut-unterrichtet-duolingo-englisch/), aber gleichzeitig vielleicht anders als Kurse, die du früher absolviert hast! [Unsere Lehrmethode](https://blog.duolingo.com/de/die-duolingo-methode-5-schlussel-zu-erfolgreichem-und-motiviertem-lernen/) basiert auf der neuesten wissenschaftlichen Forschung. Das stellt sicher, dass du das Gelernte auch _anwenden_ kannst, unabhängig davon, was deine Sprachziele sind. Wir erreichen das unter anderem durch den gezielten Einsatz von _implizitem Lernen_, einem Prozess, durch den die Lernenden die Lerninhalte gleich von Anfang an auch anwenden können.

## Was ist implizites Lernen?

„Implizites Lernen“ steht für Lernen durch Erfahrung, Interaktion und Übung. Statt dich auf das Auswendiglernen und die Regeln zu konzentrieren, erhältst du beim impliziten Lernen die Ergebnisse dadurch, dass du die Regeln _anwendest_, um Probleme zu lösen, aus Fehlern zu lernen und für die [neuen Muster und den neuen Lernstoff](https://blog.duolingo.com/how-your-brain-finds-patterns/) (Artikel auf Englisch) Intuition zu entwickeln.

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Implizites Lernen geschieht oft, ohne dass man sich dessen bewusst ist.

Implizites Lernen unterscheidet sich von _explizitem Lernen_, bei dem du direkte Anweisungen erhältst: Dir werden Regeln beigebracht und erklärt, wie etwas funktioniert oder welches Muster du anwenden musst.

Der Unterschied zwischen implizitem und explizitem Lernen liegt nicht darin, dass das eine gut ist und das andere schlecht. Welche Art des Lernens für die jeweilige Aufgabe am besten ist, hängt davon ab, was du mit dem Gelernten _vorhast_! Und mitunter hängt es auch von der Art des Lernstoffs ab, welche Lernmethode geeigneter ist.

Wichtig ist auch, sich klarzumachen, dass, wenn man etwas weiß, es nicht heißt, dass man es auch in der Praxis situationsgemäß anwenden kann. Als Erwachsener will man oft die Regeln zu dem wissen, was man lernt, – denn das gibt uns das Gefühl, die Kontrolle zu haben. Verlässt man sich aber zu sehr auf expliziten Regeln, kann dies hinderlich sein, wenn man die neue Fähigkeit tatsächlich anwendet. (Stell dir zum Beispiel vor, du würdest dir im Spanischen jedes Mal, wenn du in einem Gespräch ein Verb benutzt, das Konjugationsmuster des Verbs im Kopf aufrufen!)

## Beispiele für implizites und explizites Lernen

Auch wenn du diese Begriffe vielleicht noch nicht gehört hast, hast du beide Lernmethoden mit Sicherheit schon angewendet!

**🌍 Hauptstädte**

Angenommen, du willst die Hauptstädte aller Länder auf der Erde lernen. Dazu kannst du sie **explizit** auswendig lernen, zum Beispiel indem du Karteikarten erstellst, dir eine Landkarte ansiehst oder ein Lied ausdenkst, mit dem du sie dir einprägst.

Einige Hauptstädte kennst du aber möglicherweise schon **implizit**, weil du sie durch deine Erfahrungen gelernt hast: Vielleicht hast du irgendwann ein Buch gelesen, das in der französischen Hauptstadt Paris spielte, vor vielen Jahren bist du auf einer Rucksackreise durch Südamerika in der peruanischen Hauptstadt Lima und in der chilenischen Hauptstadt Santiago gewesen. Oder du hast einen Freund, der in die philippinische Hauptstadt Manila gezogen ist.

**🎵 Die größten Hits von 2003**

Du könntest „Top 50 im Jahr 2003“ googeln und dir diese Hits **explizit** merken, indem du die Texte auswendig lernst, dich über die Trends der Popmusik zu Beginn des Jahrhunderts informierst oder dir 50 Tage lang täglich eines der Lieder vornimmst.

Viele von uns haben jedoch die Chart-Hits von 2003 **implizit** gelernt – haben wir damals doch hundertmal pro Stunde „Hey Yah!“ im Radio gehört und unserer älteren Schwester die CD von „Dangerously in Love“ geklaut. Und wir erinnern uns heute noch daran, wo wir gerade waren, als wir „In da Club“ zum ersten Mal hörten.

🤹 **Verborgene Talente**

Wenn du vorhättest, deine Freunde mit deinen Jonglierkünsten zu beeindrucken, könntest du versuchen, das Jonglieren **explizit** zu lernen, indem du eine Abhandlung über die physikalischen Kräfte beim Jonglieren oder eine Schritt-für-Schritt-Anleitung liest.

Um aber wirklich zu jonglieren, wäre es sicherlich am besten, möglichst bald damit anzufangen, es **implizit** zu lernen! Dazu sind theoretische Kenntnisse über das Jonglieren nicht so nützlich wie die Fähigkeit, einige Objekte in die Luft zu werfen und wieder aufzufangen (selbst wenn sie anfangs wahrscheinlich eher auf den Boden poltern).

## Implizites Lernen auf Duolingo

In den Duolingo-Kursen wird implizites Lernen gezielt gefördert, weil wir wollen, dass unsere Lernenden das, was sie lernen, tatsächlich _anwenden_ können. Wenn du eine Sprache lernst, willst du sie schließlich [sprechen](https://blog.duolingo.com/de/warum-ist-gesprochene-sprache-schwierig-zu-verstehen/), oder du willst dir in der Sprache [Musik](https://blog.duolingo.com/de/wie-dir-musik-beim-sprachenlernen-helfen-kann/) anhören oder [Filme](https://blog.duolingo.com/de/sprachen-lernen-durch-fernsehen/) anschauen. Und wahrscheinlich lernst du Mathematik nicht, um deine Freunde und Kollegen auf Partys zu beeindrucken, sondern weil du sie in konkreten Situationen einsetzen willst!

Aus diesen Gründen **interagieren die Lernenden in unseren Kursen von der ersten Lektion an mit dem Lernstoff**. Diese praktische Erfahrung, die Informationen (wie z. B. Wörter oder Dezimalzahlen) zu erkennen und auch zu reproduzieren, bringt die Lernenden dazu, genau aufzupassen, nach Mustern zu suchen, Annahmen zu testen und die Sprache zu benutzen. Wir verwenden auch Übungen, die die Aufmerksamkeit der Lernenden visuell auf die wichtigste Information lenken, damit sie diese besser erkennen und sich einprägen können. Diese Lehrmethode führt auch dazu, dass die Lernenden Fehler machen … was völlig in Ordnung ist, denn Fehler sind Teil des Lernprozesses! Sie geschehen, wenn dein Gehirn mögliche Regeln ausprobiert. Hierbei schärfen Fehler die Aufmerksamkeit für alle Teile des Musters und beim nächsten Versuch wird dann eine neue Annahme getestet.

Explizites Lehren hat jedoch auch seine Berechtigung. Implizites und explizites Lernen können bei vielen Themen effektiv zusammen eingesetzt werden, besonders dort, wo es schwierig ist, für ausreichend Kontakt oder Interaktion mit einer bestimmten Art Lernstoff zu sorgen. Das explizite Lernen einer Regel oder eines Musters kann helfen, dich auf die richtige Spur zu bringen. Denk aber daran: Den Lernstoff zu *können* ersetzt nicht seine *Anwendung* in der Praxis. Deshalb bietet Duolingo in der Übersicht zur jeweiligen Stufe sowie in den Hinweisen zu den Abschnitten und auch hier [im Blog](https://blog.duolingo.com/tag/lernen/) zusätzliche, explizite Informationen – die jedoch unbedingt in die Praxis umgesetzt werden sollten!

## Lerne so, wie dein Gehirn am besten lernt

Bei der Entwicklung von Sprachfertigkeiten, die du auch tatsächlich in der Praxis einsetzen kannst, ist implizites Lernen unschlagbar. Deshalb legt Duolingo von Anfang an so viel Wert auf die Interaktion mit dem neuen Lernstoff. Unser Ziel ist es, dass unsere Lernenden bereits in der ersten Lektion beginnen, ihre neuen Fertigkeiten anzuwenden!
